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Am 25. Juli 1920 wurde das erste Schützenfest auf dem Heitkamp hinter dem Landgasthof Altmann, wo zu der damaligen Zeit ein größerer Buchenbestand war, gefeiert. Behelfsmäßig hat man sich einen Schießstand aus Bahnschwellen gebaut. Am Ende des Schießkanals waren Bahnschwellen als Kugelfang gestapelt. Davor wurde die Scheibe angebracht und dahinter war ein Erdwall. Linksseitig war ein Bunker, wo derjenige, der mit dem Auswechseln der Zielscheibe beauftragt war, in Deckung gehen konnte. Der König wurde mit Karabinern auf Ringscheiben im Abstand von 75 m ausgeschossen.

In den Anfangsjahren wurde nur am Sonntag gefeiert. Die Männer trafen sich um 13.00 Uhr am Schießstand, um den König auszuschießen. Der erste Schützenkönig war Anton Veismann, der sich als Königin Anna Schoppe auserkoren hatte. Gegen Abend kamen die Mädchen und Frauen, die sich für diesen Anlass sehr fein gemacht hatten, hinzu. Es folgte die Proklamation, der Festzug und ein gemütliches Beisammensein mit Tanz. Das Königspaar wurde beim Festumzug in einer Kutsche durch die Bauernschaft gefahren. Überall standen fröhliche und festlich gekleidete Menschen, die dem Paar zujubelten. Schon in den ersten Jahren, so ist überliefert, hätten sich viele Neugierige eingefunden. Wenn in Ostenwalde Schützenfest gefeiert wurde, waren Hörstel und Hopsten wie ausgestorben.

Drei Jahre nach dem ersten Schützenfest, im Inflationsjahr 1923, ruhte das Vereinsleben wegen der Ruhrgebietsbesetzung.

Schon im Jahr vorher hatte der neue Vorsit- zende August Ungruh, genannt „Backs Au- gust“, viele Schwierigkeiten zu meistern, da- mit überhaupt Schützenfest gefeiert werden konnte. Wegen der politischen Unruhen und Morde – am 4. Juni 1922 wurde der damalige Außenminister Walther Rathenau ermordet – waren öffentliche Umzüge verboten. Deshalb führte der Festzug nicht über die Hauptstraße, sondern über die Feldbahnschienen und Feldwege hintenherum nach Altmann „Fännand“. Feldbahnschienen waren Schienen, die verlegt waren, um Ödland und Heideflächen urbar zu machen. Auf diesen Schienen standen Loren, die an Wochentagen von Hand mit Boden beladen wurden. Dieser wurde in den Niederungen abgekippt. Damit wurden Sumpfgebiete trockengelegt und es entstanden aus Naturflächen Kulturflächen.

Aber 1924 wurde wieder gefeiert.

1925 war ein besonderes Jahr im Vereinsle- ben, denn am Tag des Schützenfestes konnte die neue Vereinsfahne feierlich eingeweiht werden. Außerdem wurde auf dem Fest erst- mals die neue Königskette getragen. Dass die beträchtlichen Kosten für Fahne und Kette gedeckt waren, ist allein dem damaligen ersten Vorsitzenden August Ungruh zu verdanken. Seit Herbst 1924 hatte er in allen Häusern vorgesprochen und „Spendenthaler“ gesammelt. Für das Fest waren zwei große Zelte errichtetpage14image33729808 worden, die beide brechend voll gewesen sein sollen. Außerdem wurde ein großes Preisschießen durchgeführt. Als erster Preis war ein Kalb ausgesetzt und als zweiter Preis ein 70-pfündiges Schwein. Über 1.000 Schuss wurden in den Karabinern an zwei Ständen auf die Zielscheiben geballert, so dass die Gewehre qualmten. Von diesem Preisschießen sei noch lange in der näheren und weiteren Umgebung gesprochen worden.

Im gleichen Jahr 1925 bildeten die bereits bestehenden vier Schützenvereine Dorf, Gravenhorst, Harkenberg-Elseck und Ostenwalde eine Interessengemeinschaft, um die historische Hörsteler Markenkette aus dem 17. Jahrhundert wieder in Ehren zu bringen. Im Protokollbuch der Mark Hörstel befindet sich ein Schreiben, wonach vereinbart wurde, dass im Jahr 1926 alle Vereine ihr Schützenfest am 30. August und von 1927 an am zweiten Montag nach Pfingsten feiern.

Die Könige der vier Vereine schossen unter sich den „Kaiser“ aus, der die Hörsteler Markenkette dann für ein Jahr tragen durfte. Der Name Kaiser wurde 1929 in „Markenkönig“ umgewandelt.

Im Herbst 1928 wurde Bernhard Schoppe neuer Vorsitzender, sein Stellvertreter August Kamphus und Schriftführer war Josef Hinterding. Unter diesem Dreiergespann verliefen die Schützenfeste bis 1939 voller Harmonie und Freude mit der Kapelle „Frohsinn“ aus Riesenbeck.

Nach 1933 übten die braunen Machthaber zunehmend Druck auf die Vereine aus. Die Gewehre wurden eingesammelt, die Schützenvereine mussten als Sportvereine Übungsschießen veranstalten, um gute Schützen für die Wehrmacht auszubilden. Während des Zweiten Weltkrieges trat eine Zwangspause ein, sodass von 1940 bis 1946 kein Schützenfest gefeiert wurde.

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